Eickelborn


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St. Josef Kirche

Kirchen

St.-Josefs-Kirche in Eickelborn

Die katholische Kirche des Landeskrankenhauses ist seit ihrem Entstehen auch die Kirche des Dorfes Eickelborn. Die kleine Dorfkapelle genügte zur Not in der Zeit, als das Dorf an Sonntagen zur Pfarrkirche nach Benninghausen ging. Seit dem aber ein eigener Geistlicher für das Landeskrankenhaus bestellt war, scheuten die Dorfbewohner den Weg nach Benninghausen und verlangten, an der Liturgie teilzunehmen, die dieser Pfarrer im eigenen Dorf feierte. Dieser Gottesdienst wurde in einer eigens hierfür erbauten Kapelle im Haus „Frauen 3” mit dem Bau dieses Hauses in den Jahren 1883—1887 gehalten.

Die Dorfgemeinde erlangte das Recht zur Teilnahme am Gottesdienst in dieser Kapelle in „Frauen 3” durch die Abtretung des Kirchweges, des nächsten Weges der Lippe entlang, an die Provinzialverwaltung.

Doch diese Kapelle wurde für die schnell anwachsende Zahl der Bevölkerung bald zu klein.

Die Gläubigen standen im Flurraum, ja bis draußen auf der Burgstraße, ein unerträglicher Zustand. Auch der Festsaal, den man dann benutzte, wurde schnell zu klein.

Auf eigene Initiative richtete dann der damalige Landeshauptmann Dickmann in Münster am 11. Januar 1921 ein Schreiben an die Krankenhausleitung, in dem es heißt: „...Diese Verhältnisse müßten aber, wenn es sich lediglich um die Anstalt handelte, wegen der zur Zeit herrschenden Bauverteuerung noch einige Zeit ertragen werden. Sollten jedoch die katholischen Eingesessenen des Dorfes Eickelborn bereit sein, ihr Interesse an der baldigen Errichtung einer Kirche, die ihnen ohne Beschränkung offenstände, dadurch zu bekunden, daß sie zu den Baukosten in erheblichem Umfange Beiträge leisten, so würde ich vielleicht schon jetzt dem Plane nahetreten können.”

Der Landeshauptmann ersuchte dann die Leitung, „durch Benehmen mit den in Betracht kommenden Kreisen die Unterlagen für die Beurteilung dieser Vorfragen zu schaffen und auch ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß nur bei ganz erheblicher Beteiligung der Gemeinde und Beschränkung des Neubaus auf eine zwar ausreichend große, aber schlicht gehaltene Dorfkirche Aussicht besteht, den Wunsch zu verwirklichen und beim Provinzialausschuß und Landtag Zustimmung zu finden. Ihrem Bericht will ich bis zum 1. Februar entgegensehen.”

Der damalige Direktor Dr. med. Hermkes erwiderte auf dieses Schreiben des Landeshauptmanns: „Die Errichtung einer Kirche ist sowohl für die hiesige Anstalt wie für die Gemeinde Eickelborn ein dringendes Bedürfnis. Ist schon die gemeinsame Benutzung des Festsaales für kirchliche und weltliche Zwecke peinlich und mit mancherlei Unzuträglichkeiten verknüpft, so kommt hinzu, daß der Raum beim katholischen Gottesdienst schon für die Kranken und Angehörigen der Anstalt kaum mehr ausreicht, bei weiterer Belegung der Anstalt aber sicher zu klein ist. Da nun auch die Dorfeingesessenen teilnehmen, entsteht in jedem Gottesdienst ein störendes Gedränge." ... „Solange die Anstalt besteht”, schreibt Hermkes weiter, „haben die Dorfbewohner am Gottesdienst teilgenommen, und als sie vor langen Jahren auf den alten, durch die Provinzialwiese führenden Weg zur Pfarrkirche in Benninghausen zugunsten der Provinz verzichteten, wurde ihnen durch Ew. Hochwohlgeboren die Teilnahme am Gottesdienst ausdrücklich zugestanden. Seitdem sind die gegenseitigen Beziehungen zwischen Dorf und Anstalt immer enger geworden.”

Die Gemeinde zeichnete für den Kirchenbau die Summe von 83 950 Mark. Ja, sie verpflichtete sich, zum Bau der Kirche 300 000 Mark in bar oder teils in bar, teils in entsprechenden Sachleistungen, d. h. durch Ablieferung von 500 Zentner Weizen beizutragen, außerdem Hand- und Spanndienste zu leisten für die Anlieferung von Sand und Baumaterialien zur Baustelle. Bauunternehmer Wimmeler verpflichtete sich, die Rohbauarbeiten zum Bau der Kirche und des mit ihm verbundenen Schwesternhauses zu den nachgewiesenen Selbstkosten, also unter Verzicht auf den Unternehmergewinn nach den Vorschriften der Bauverwaltung rechtzeitig in den vereinbarten Fristen auszuführen. Es kommt zu einem sehr interessanten Vertrag, den nur Laien unterzeichnet haben: Hense, Oehlmann, Wimmeler, Zimmermann, Dr. Hermkes.

Im Jahre des Herrn 1923, am 5. Tage des Monats Mai, als Pius XI. Papst, Caspar Klein Bischof von Paderborn, Lorenz Borchmeyer in Eickelborn Anstaltspfarrer, Ivo Dane Pfarrer in Benninghausen, Friedrich Ebert Reichspräsident, Wilhelm Cuno Reichskanzler der Republik Deutschland, Johannes Gronowski Oberpräsident der Provinz Westfalen, Franz Dickmann Landeshauptmann waren, als Karl Boese Landesrat, Karl Hermkes Direktor des Landeskrankenhauses und Pflegeheimes Eickelborn, Heinrich Hense Ortsvorsteher dieses Dorfes waren, ist durch den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Delzen, Weihbischof von Paderborn, dieser Grundstein der neuen Kirche gelegt. Diese Kirche ist erbaut zu Ehren des heiligen Josef, des Bräutigams der seligen Jungfrau Maria und des heiligen Antonius des Einsiedlers auf Kosten der Provinz Westfalen unter starker Beteiligung und mit Hilfe der Eingesessenen des Dorfes Eickelborn.

Im Dorfe befanden sich: eine kleine Kapelle aus alter Zeit und eine Hauskapelle im Krankenhaus der Schwestern von der Gesellschaft der Schwestern der Barmherzigkeit vom heiligen Vinzenz von Paul unter der Oberin Valesia geb. Padberg. An Sonn- und Feiertagen war auch die Festhalle des Krankenhauses für die Feier der heiligen Messe freigegeben. Keine dieser Kapellen war geeignet und groß genug für die Feier des Gottesdienstes. Die Architekten Hermann Zimmermann und Gustav Gonser machten die Baupläne, den Bauarbeiten stand vor Dietrich Brickwede. Sie übernahm Theodor Wimmeler. Er übernahm dieses Werk zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen in sehr traurigen Zeiten. Vier Jahre nämlich hatte das Deutsche Reich - verbunden mit dem Kaiserreich Österreich-Ungarn, dem Königreich Bulgarien, dem Türkischen Reich — gegen 30 Völker, Nationen und Königreiche, unter denen die Engländer, die Frankogallier, die Russen, die Italiener, die Japaner verbunden mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika, tapfer standgehalten, waren aber ehrenhaft unterlegen.

Ein Friede war geschlossen, der kein wahrer Friede war. Unter dem Schein und im Namen dieses Schandvertrages fielen die Franzosen und Belgier in die Westgebiete Deutschlands ein, in die Lande am Rhein und an der Ruhr, welche man das Industriegebiet nennt. Sie kamen mit einem starken Heere und beschlagnahmten Güter und warfen die Bürger in Gefängnisse, jagten die Verwaltungen in die Verbannung und schonten nicht einmal das Leben der Einwohner. Deshalb waren die Lebensmittel außerordentlich teuer. Für einen Zentner Weizen zahlte man 502 Mark, für ein Pfund Rindfleisch 4200 Mark, für einen Liter Milch 70 Mark. Bekleidung war kaum zu kaufen und zu erhalten. Da in dieser Armut des Volkes weder Gold noch Silber da war, wurden aus irgendwelchen Metallen Münzen geprägt, die mit in diesen Stein eingeschlossen wurden. Der Herr gebe uns seinen Frieden! Amen.
Des zum Zeugnis haben wir diese Urkunde eigenhändig unterschrieben:

  • H. Hähling von Lanzenauer
  • L. Borchmeyer
  • I. Dane
  • Dr. Hermkes
  • H. Hense
  • D. Brickwede
  • Th. Wimmeler
  • Valesia Padberg


Am 23. Juni 1923 wurde dann zwischen der Provinz, dem Landeshauptmann und der Gemeinde Eickelborn der endgültige Vertrag abgeschlossen. Was die Vorfahren erkämpft und erarbeitet haben in Mühen und Sorgen ist den Nachfahren aufgegeben als Erbe und Aufgabe!

Auszug aus der Festschrift zum 125 jährigen Jubiläum der Schützenbruderschaft St. Antonius, Eickelborn.


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